5 Gründe, warum Journalisten (und Marketer) sich in Facebook-Gruppen tummeln sollten

written by ska on Dezember 5, 2013 in Medien with one Comment

Wer früher (bevor alles einen total hippen Namen bekam und zum Buzzword wurde) im Netz was zu sagen hatte, tat dies in Foren. Da wurde  diskutiert, wurden sich die Köpfe eingeschlagen, wurden neue Freundschaften geknüpft, wurde gefachsimpelt und miteinander gelacht. Das ist auch heute noch so, allerdings verlagern sich Foren zunehmend ins „Netz im Netz“, also zu Facebook und dort in Form von Gruppen.

Facebook-Gruppen killen zwar nicht die traditionellen Foren (schade, hätte eine knallige Headline gegeben). Klar ist aber: Der Großteil der Internetnutzer ist bei Facebook und wenn man schon mal da ist, kann man ja gleich den Gruppen beitreten, die einen interessieren – seien es Gruppen zur eigenen Stadt, zum Hobby, dem Weltgeschehen oder zu Nischenthemen. Facebook-Gruppen sind viel näher dran am Nutzer als Foren.

Da liegt es nahe, sich auch als Journalist in Facebook-Gruppen zu tummeln, denn wo Menschen sind, da sind Gespräche und da gilt es für Journalisten (und andere Kommunikationsprofis), zuzuhören!

5 Gründe, warum Journalisten (und Marketer) sich in Facebook-Gruppen tummeln sollten:

1. Zuhören war noch nie so einfach!

Überall liest man, das Zuhören sei für Journalisten und Marketer mindestens so wichtig wie das Aussenden von Informationen. Word! Für Facebook-Gruppen gilt, was auch für Foren galt und noch immer gilt: Hier wird diskutiert, werden sich die Köpfe eingeschlagen, finden Gespräche statt, wird gefachsimpelt. Hier kriegen Kommunikatoren Antworten darauf, was die Zielgruppe (a.k.a. Menschen) wirklich interessiert, welche Fragen sie sich stellen, welche Trends es gibt und was diskutiert wird. Und Facebook-Gruppen gibt es vermutlich zu jeder Stadt, zu jedem Hobby, zu jedem Thema gleich mehrfach. Was für ein riesiges Gespräch neben Websites, Blogs, Facebook-Seiten, Twitter und wie sie nicht alle heißen, dem man auch hier zuhören kann und sollte!

Zuhören_Facebook

2.  Neue Ansprechpartner und Influencer finden

Logisch: Wo viel diskutiert wird, sind Experten, interessante Ansprechpartner und auch Influencer zu finden. Je mehr man zuhört, desto mehr kristalliert sich heraus, welche Gruppenmitglieder sich in welchen Themen besonders gut auskennen, welche Einstellung sie haben und ob sie kompetente Ansprechpartner wären. Ein Beispiel unter vielen: In einer Regensburg-Gruppe bei Facebook hat ein 89-Jähriger regelmäßig seine lokalen Anekdoten in Mundart gepostet und die Gruppenmitglieder begeistert. Jetzt erschien dazu das Buch.

3. Eigenpositionierung, Eigen-PR und Netzwerken

Natürlich bieten Facebook-Gruppen professionellen Kommunikatoren und Bloggern die Möglichkeit, sich selbst in ihrer Themennische als Experte (oder meinetwegen Marke) zu positionieren.  Am meisten profitiert der, der sich selbst aktiv beteiligt. Nur zuhören ist eben doch zu wenig. Stichwort Netzwerkeffekt. Und natürlich erhöht das Posten eines eigenen Beitrags in einer Gruppe mit sehr vielen Mitgliedern die Reichweite dieses Beitrags. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Facebook-Gruppen gerade für kleinere Publikationen und insbesondere ganz am Anfang, in der Aufbauphase, wesentlich wichtiger sein können als die zur Seite gehörende Fanpage. Dass man dabei nicht vorgeht wie ein Spammer, ist klar. Weniger kann auch hier mehr sein.

 4. Anregungen und Feedback für noch besseren Content nutzen

Dieser Punkt hängt unmittelbar mit dem vorangegangenen Punkt zusammen. Denn wer in Gruppen nur seine Reichweite erweitern möchte, ohne auf das Feedback Lust zu haben, ist hier falsch. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es Feedback geben, und das kann wie sonst auch im Web schonungslos sein. Da man in Facebook-Gruppen nur mit einem Privatprofil und nicht als Seite posten kann, kann das unangenehm persönlich werden. Professionelle Kommunikatoren sollten damit aber umgehen und das Feedback nutzen können.

Ich stelle inzwischen immer häufiger Recherchefragen in Facebook-Gruppen, bevor ich anfange, einen Artikel zu schreiben. Und ich habe auch schon veröffentlichte Artikel dank des kompetenten Feedbacks aus Facebook-Gruppen verbessert. Natürlich wird das in der Gruppe auch als Rückmeldung kommuniziert. Das Feedback ernst nehmen heißt, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Das ist als Journalist manchmal ungewohnt, aber man bricht sich damit keinen Zacken aus der Krone. Und unsere Beiträge macht es besser.

Feedback

5. Was für Themen und Trends gilt, gilt auch für Fotos

Nein, natürlich darf man sich nicht einfach bedienen an den geposteten Fotos. Dennoch können Gruppen bei der Recherche nach Fotomaterial helfen. Es gibt Gruppen, in denen werden sehr viele Fotos gepostet – oft in hoher Qualität (und damit meine ich nicht die Auflösung). In anderen geht es generell um eine Stadt oder einen bestimmten Ort oder Reisen und somit halten sich dort Menschen auf, die auch Bildmaterial zu diesem Ort haben. Manchmal sogar richtig alte Schätze. Meine Erfahrung: Auf eine freundliche und respektvolle Anfrage habe ich bisher noch keine Absage bekommen.

Fazit

Für Facebook-Gruppen gilt, was vor allem im Social Web auch woanders gilt: Sie können sehr wertvoll sein bei der Recherche, können nützliches Feedback und spannende Anregungen liefern, sie sind ein Kanal für (umsichtige) Eigen-PR, helfen beim Auffinden von Influencern und Experten und können die Reichweite erhöhen.

Auch Facebook-Gruppen sind daher Bereiche im Social Web, die Journalisten und Marketer nicht ignorieren sollten. Ein Lokaljournalist gehört heute eben nicht mehr nur auf die Straße, sondern auch in die entsprechenden Facebook-Gruppen zu „seiner“ Stadt. Und das gilt auch für alle anderen Themennischen.

Hab ich was vergessen? Zu wenig Facebook-Bashing im Beitrag? Google Plus Gruppen sind viel besser? Ich freue mich über Feedback – nicht nur in Facebook-Gruppen, sondern auch in den Kommentaren unten! ;)

Grafik erstellt mit Canva.com