Blogs und Journalismus – Schon wieder!

written by ska on November 22, 2010 in Grenzgänger 2.0 with 9 comments

„Nicht schon wieder dieses Thema, das ist doch seit einer Ewigkeit ausdiskutiert.“ Ich kann mir gut vorstellen, dass der ein oder andere Blogleser negativ reagiert, wenn es – wieder einmal – um eine Studie zu Blogs und Journalismus geht. Dazu sei gesagt: Es geht hier zwar um Blogs und Journalismus, aber es geht nicht um die Frage, ob Blogs Journalismus sind, Journalisten Blogger sein können und ob sie dann journalistische Blogger oder bloggende Journalisten seien. Gähn! Diese alten Streitfragen sind nicht nur ausgelutscht, sondern lenken vom für Medienmacher wichtigeren Thema ab: Wie können Journalisten und Medien von Weblogs profitieren?

Die alten Streitfragen spielen keine Rolle

Journalisten nutzen Blogs zunehmend zur Interaktion mit Kollegen und Nutzern, zur Eigen-PR, recherchieren in Expertenblogs und üben Medienkritik in Weblogs. Die genannten Streitfragen spielen dabei überhaupt keine Rolle. Um für Journalisten nützlich zu sein, müssen Blogs mitnichten journalistischen Qualitätskriterien entsprechen – Lieschen Müller, die der Lokalreporter in der Fußgängerzone zu ihrer Meinung befragt, liefert ja auch nicht eine perfekt redigierte Pressemitteilung ab und kann dennoch eine interessante und relevante Antwort geben.

Für meine Diplomarbeit „Grenzgänger 2.0 – Warum Journalisten Weblogs nicht länger ignorieren sollten“ habe ich 66 bloggende Experten und Privatleute, Zeitungsleser, freie Journalisten und Redakteure interviewt. Herausgekommen ist ein fundierter Überblick über die Chancen und Vorteile, die Weblogs Journalisten bieten. Auch ein Jahr nach Abgabe von „Grenzgänger 2.0“ halte ich das Thema für aktuell und interessant. Das gilt insbesondere für diejenigen, die sich – auch in Bezug auf andere Plattformen des Social Web – noch immer fragen, was das alles soll.

Journalisten können von Blogs profitieren, tun es aber kaum

Zum Abgabetermin meiner Diplomarbeit existierte kein umfassender Überblick über die verschiedenen Nutzungsarten von Weblogs für Journalisten. Auch heute ist mir kein weiterer bekannt. „Grenzgänger 2.0“ soll dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Journalisten können auf zahlreiche Arten von Weblogs profitieren. Sie tun es Studien zufolge jedoch kaum, was – darauf deuten Untersuchungsergebnisse hin – vor allem an der Altersfrage und an mangelnder Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien liegen dürfte. Christian Jakubetz bloggte diese Tage über das Altersproblem in den Redaktionen und forderte: „Gebt den Kindern das Kommando!“.

Bloggende Richter und Ärzte

Redaktionen und Journalisten können Blogs als Marketinginstrument einsetzen, in eigenen Weblogs Expertise und Dialogbereitschaft zeigen und den journalistischen Arbeitsprozess transparent darstellen. Sie können über ihre Weblogs Aufträge generieren und vom Wissen der Nutzer profitieren. Weblogs können auch bei der Recherche eine Rolle spielen: In Blogs warten Hintergrundwissen, Augenzeugenberichte, vernachlässigte Themen, vielfältige Standpunkte, weiterführende Informationen, Expertenwissen und Ansprechpartner darauf, von Journalisten entdeckt zu werden. Alan Rusbridger, Chefredakteur des Guardian, fragte zum Thema Weisheit der Massen im Interview mit Meedia: „Weiß ein Gerichtsreporter mehr als ein Richter? Oder ein Medizinjournalist mehr über Herzchirurgie als ein Chirurg?“ Bloggende Ärzte? Gibt es! Zum Beispiel hier. Ich habe diesen und viele weitere „Experten-Blogger“ interviewt.

Weblogs  ergänzen und erweitern den Journalismus. 66 Blogger haben sich mir gegenüber ausführlich dazu geäußert, welche Vorteile ihnen das Bloggen bringt. Ich habe ihre Antworten ausgewertet und möchte die Ergebnisse in diesem Blog vorstellen.

Die Diplomarbeit sowie eine Kurzfassung können im Footer des Blogs heruntergeladen werden.